Warten, Absprachen und Neuerungen

Das Team des Literaturcamp Berlin hat sich gestern getroffen. Wir haben uns über Fortschritte, aber auch über die Unsicherheiten ausgetauscht, die durch die personellen Wechsel im Team entstanden sind. Auf der Agenda standen Location, Ticketsystem, Awareness-Konzept, Abendveranstaltungen – und Kuchen, denn das hat sich irgendwie so eingespielt.

Der Stand der Dinge

Wir haben ein halbes Jahr hinter uns, in dem wir alle etwas mit unseren Aufgaben vertraut werden mussten. Es gab einigen personellen Wechsel im Team und ein bisschen Hin und Her beim zentralen Punkt: der Location. Leider haben wir immer noch keine feste Location, sodass Catering, Ticketpreise und genaue Umsetzung unseres Konzepts mit Abendprogramm und Awareness nicht genau und final besprochen werden konnten. Aber wir konnten gestern dafür einige andere Konzepte erarbeiten, die wir auch noch mit euch teilen werden.

Die Location

Die Location bleibt weiter unklar. Leider hat unsere erste angedachte Location uns länger noch etwas Hoffnungen gemacht, dass es doch funktionieren könnte und wir ihn zu unserem Wunschtermin nutzen dürften … und dann ging es doch nicht. Es war super lieb, dass sich die Zuständigen noch für uns eingesetzt haben – was uns nicht zuletzt auch noch mehr Vertrauen ins Konzept gegeben hat, weil sie so begeistert waren. Aber leider sollte es diese Location wohl nicht sein.

Aus diesem Grund haben wir erst von einigen Wochen bei einer anderen Location angefragt. Die Zuständigen lassen sich etwas Zeit mit der Bewertung unserer mit viel Herzblut formulierten Bewerbung. Das lässt uns jedoch weiter in einer wartenden Position – genau der, die wir eigentlich allerspätestens bei diesem Treffen verlassen haben wollten. Deshalb steht leider nicht mehr fest, ob wir den November als Termin halten können: Wenn wir eine Absage bekommen, werden wir die Organisation einer weiteren Location und allem Folgenden nicht mehr so schnell schaffen, dass ein Ticketverkauf rechtzeitig vor dem Termin einsetzen kann.

Aber natürlich haben wir einen Plan B und werden nicht einfach aufgeben: Wenn auch diese Location uns leider nicht aufnehmen kann, dann werden wir das Literaturcamp im ersten Quartal 2020 veranstalten. Wie es dann mit einem Herbsttermin 2020 aussieht, wissen wir noch nicht – aber seid versichert, dass wir dieses Literaturcamp in Berlin umsetzen werden!

Das Ticketsystem

Wir haben noch nicht entschieden, in welcher Form das Ticketsystem umgesetzt werden soll, aber wir waren uns zu Anfang des Treffens einig, dass wir ein Konzept zur Ticketvergabe haben wollen. Wir haben uns alle dafür ausgesprochen, dass wir mehr von Diskriminierung betroffenen Menschen die Teilnahme ermöglichen wollen. Damit haben wir auch beschlossen, dass wir ein System erarbeiten wollen, wie Betroffene besser am Litcamp teilnehmen können. Dazu gehört eben nicht nur die Durchführung der Veranstaltung mit einem Awareness-Konzept. Wir wollen auch auf der ersten Ebene, bei der Ticketvergabe, aktiv eingreifen. Mögliche Wege wären eine Ticketlotterie nach Bewerbungen über einen bestimmten Zeitraum – bei der Marginalisierte aber bevorzugt und die restlichen Karten auf die anderen Bewerbenden verteilt werden. Wir überlegen auch, auf Ticketgutscheine zurückzugreifen und marginalisierte Menschen in unserem engen und erweiterten Umfeld vor dem Litcamp diese Gutscheine zum Ticketkauf nutzen zu lassen, bevor der allgemeine Verkauf startet. Beide Prinzipien sind bereits in mehreren Softwarekonferenzen in Anwendung und waren deshalb einem Teil des Teams bereits bekannt. Wir sind uns noch nicht sicher, welches Prinzip konkret zur Anwendung kommt – aber wir sind uns sicher, dass wir auch an diesem Punkt aktiv dafür sorgen wollen, dass das Literaturcamp nicht ausschließlich von weißen cis Menschen besucht werden wird, die dann auch noch abled, christlich oder atheistisch, neurotypisch und hetero sind.

Das Awareness-Konzept

Gestern haben wir uns unter anderem über die Notwendigkeit eines Awareness-Teams unterhalten. Anstehen tut dabei vor allem noch die Entwicklung eines genauen Konzepts, wie dieses Team arbeiten soll. Dazu gehören Fragen wie die Ansprechbarkeit der Zuständigen, vor allem aber der genaue Wortlaut des Code of Conducts und der Punkt, an dem auch unaufgefordert vom Awareness Team eingegriffen werden sollte – aber auch der Punkt, ab dem ein Hausverbot und damit ein Verweis von der Veranstaltung umgesetzt werden soll. Um eine Veranstaltung effektiv mit einem auch aktiv arbeitenden Awareness-Team zu ergänzen, das seine Arbeit so auch umsetzen und toxische und schädliche Menschen wirklich von der Veranstaltung entfernen kann, finden wir ein solches genaues Konzept sehr wichtig. Auch deswegen stand die Entwicklung des Konzepts gestern nicht auf der Agenda: Wir werden uns dafür viel Zeit nehmen, um eine möglichst umfassende Übersicht über alle zu beachtenden Szenarien zu bekommen – und so das Literaturcamp Berlin für euch alle zu einem möglichst sicheren und angenehmen Ort zu machen.

Lesungen und Vorveranstaltungen

Bei den Überlegungen für das Abendprogramm sprudelten die Ideen wie üblich über den Rand der Möglichkeiten hinaus. Wir wollen es allen Teilnehmenden und am besten auch noch ein paar weiteren Interessierten ermöglichen, die Lesungen zu besuchen. Und natürlich wollen wir auch den Autor*innen ermöglichen, gehört zu werden und Werbung zu machen.

Schnell kam dann auch die Frage der Finanzierung auf, da uns eine angemessene Bezahlung wichtig ist und wir so wenig wie möglich ein Teil dieser kapitalistischen Ausbeutungsgesellschaft sein wollen. Den empfohlenen Preis für Lesungen, der wirklich nachhaltig und gerecht wäre, bekommen wir wohl nicht zusammen. Aber wir haben uns ein paar Überlegungen gemacht, wie wir dem möglichst nah kommen können.

Wir haben uns dagegen entschieden, viele kurze Lesungen stattfinden zu lassen. Stattdessen wollen wir auf längere Slots setzen, damit Zuhörende sowohl wirklich einen ausführlichen Eindruck bekommen können als auch bereit sind, unsere Spendenempfehlung zu zahlen, wenn sie können.

Noch steht nicht fest, wie viel das sein wird – vielleicht werden wir auch sehr günstige Tickets verkaufen und darum bitten, den Preis für eine wertschätzende Bezahlung der Autor*innen zu erhöhen. Aber fest steht, dass es, soweit das organisatorisch bei allen Titeln möglich ist, auch einen Bücherverkauf geben soll. Wo der stattfinden soll, und wie wir uns die Kapazitäten der Lesungen vorstellen (gerade auch mit der Idee, Publikum von außen anzusprechen), ist auch noch nicht geklärt – aber das ist gar kein Problem.

Denn hier kommt ein weiteres eigentliches Problem ins Spiel: Wir werden einen weiteren Raum dafür brauchen, wenn die geplante Location benutzen können, denn wir werden die Räume nicht bis abends zur Verfügung haben. Das heißt aber auch, dass wir ohne Weiteres eine solche zweite Location sowohl am Samstagabend  als auch am Freitag mieten können – und überlegen jetzt, ob wir schon ein paar Monate vorher mit einer Veranstaltung auf das Litcamp Berlin einstimmen wollen, wobei sich die Interessierten schon mal kennenlernen können. .,

Eine weitere Idee ist, dass wir interessierten Autor*innen, die gern auf oder um das Litcamp Berlin lesen wollen, die Möglichkeit zu einer Bewerbung geben wollen. Marginalisierte Autor*innen, gerade auch mit Own-Voice-Büchern, werden bei der Auswahl dann natürlich bevorzugt werden.

Die Skype-Treffen

Bisher haben wir uns etwa einmal alle ein bis zwei Monate getroffen. Leider ist dabei der Fortschritt der Bemühungen immer wieder stagniert. Natürlich liegt das auch an unserem ungeplanten Hin und Her mit der Location. Aber vor allem haben wir dann doch alle immer wieder den Faden und die Begeisterung verloren – wie das nun einmal bei der Organisation von großen Projekten passiert, bei der die tollen Ergebnisse nicht sofort zu sehen sind. Dagegen wollen wir anarbeiten: Wir wollen uns jetzt eine Weile lang alle zwei Wochen per Skype-Konferenz austauschen. Auf jeden Fall wollen wir dranbleiben und auch die Begeisterung und das Tempo aufrechterhalten, bis die großen Fragen einfach langsam alle geklärt sind und wir einen Termin haben.

Ich erwähnte oben, dass wir alle letztes Jahr noch nicht so vertraut mit den Abläufen und den uns zugedachten oder zugefallenen Aufgaben waren. Nicht zuletzt, weil es für die meisten von uns die erste Großveranstaltung ist, die wir organisieren. Aber tatsächlich haben wir gestern festgestellt, dass das besser geworden ist – wir haben in diesem letzten halben Jahr einige Erfahrungen gemacht, Einiges versucht, und ja, es hat nicht für eine Location gereicht, zumindest nicht gestern. Aber wir haben alle ein zuversichtlicheres Gefühl dabei, jetzt die Arbeit wieder aufzunehmen. Diesen Schwung können wir mit dem Austausch in höherer Frequenz hoffentlich beibehalten. Und vermutlich gibt es dann auch bald wieder mehr Bewegung – und damit auch mehr Neuigkeiten an dieser Stelle.

Wir freuen uns darauf!

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